Was ist Yoga?

Das Wort Yoga wird übersetzt mit „Einheit, Harmonie“ und ist Sanskrit, die älteste Sprache der Welt, deren Wurzeln in Indien liegen – dem Land in dem Yoga seinen Ursprung hat. Das jahrtausendalte Übungssystem ist längst auch in unserem westlichen Kulturkreis allgemein anerkannt. Yoga ist eine Wissenschaft und ein Werkzeug zur Entfaltung des vollen menschlichen Potenzials, um Gesundheit und Wohlbefinden für Körper, Geist und Seele herbeizuführen. Yoga ist eine altindische Bewegungs- und Lebenslehre, die ganzheitlich-energetisch Körper, Geist und Seele in Harmonie und Einklang bringt. Auch wenn Yoga durch den Hinduismus geprägt wurde, ist es ein für sich stehendes System. Dabei ist es keiner Religion zuzuordnen, noch schließt es einen Glauben aus.

Yoga ist nicht allein eine Form ganzheitlicher Gymnastik. Yoga ist viel mehr: Yoga lässt uns in der Bewegung zur Ruhe kommen und hilft, unsere Mitte zu finden. Dabei wirken mentale, achtsam ausgeführte Meditationsübungen unterstützend. Nicht die körperlich korrekte Durchführung einer Yogaübung bringt uns dahin, sondern die bewusste Haltung, mit der wir sie umsetzen. Yoga darf durchaus auch nur aus Körperübungen bestehen. Aber es darf auch mehr sein: Atemübungen (Pranayama), Entspannungsübungen, Meditation und darüber hinaus auch geistige und persönliche Entwicklung. Sowie auch das friedliche Zusammenleben aller Lebewesen auf unserem Planeten und der achtsame Umgang mit sich selbst, den anderen und den Ressourcen dieser Erde. Nimm das, was für DICH leicht ist. Yoga soll keine Last sein, kein Zwang. Fordere – aber überfordere dich nicht. Ganz ohne Leistungsdruck! Erkenne deine Grenzen und erkenne sie an. Wer beginnt, sich mit Yoga auseinander zu setzen, sollte offen für Veränderung sein. Der eigene Körper ist hierbei ein guter Beginn. Alles andere kommt später. Von selbst.

Yoga …

… bedeutet Vereinigung von Körper, Geist, Seele und Atem – der Gesamtheit unseres Seins

… ist Bewußtsein in Bewegung

… Yoga ist Einssein mit dem Selbst

… ist Bewegung in Meditation

… Yoga bringt den Geist in den gegenwärtigen Moment

… führt zu innerem Frieden und Harmonie

… macht den Körper beweglicher und kräftiger

… sorgt für Gelassenheit und Achtsamkeit im Leben

Seit Anbeginn kennt der Yoga viele unterschiedliche Traditionen, die unterschiedliche Aspekte der Übungspraxis betonen (kraftvoller / sanfter / therapeutisch ausgerichtet / eher meditativ, usw., usw…..). Alle diese Traditionen und Schulen existieren friedlich nebeneinander. Sie bieten so vielfältige und unterschiedliche Techniken und Methoden der Yogapraxis an, weil wir Menschen so vielfältig und unterschiedlich sind uns und oft auch ganz unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse auf der Yogamatte landen lassen.
Es gibt keinen guten oder schlechten, richtigen oder falschen Übungsstil, sondern nur Stile, die für dich eher günstig und förderlich oder ungünstig und nicht förderlich sind! Welcher Stil für dich günstig und förderlich ist, kannst nur du selber herausfinden, indem du einige Stile, die dich ansprechen, einige Zeit ausprobierst und beobachtest, wie die Übungen auf dich wirken.

Yoga soll dir gut tun und soll dir Spaß machen. Die Yoga-Praxis funktioniert mit Disziplin, aber ohne Zwang.
Im Yoga ist alles darauf ausgelegt, dass du dein eigener Experte für deinen Körper, deinen Geist, deine Gemütsverfassung, deine Gesundheit und dein Wohlbefinden wirst. So lehrt uns der Yoga auf der einen Seite Selbstverantwortung und auf der anderen Seite Autonomie.


 

Das Yoga Sutra von Patanjali

Das Wort Sutra ist Sanskrit und bedeutet übersetzt soviel wie „Faden“. Das Yogasutra ist also gewissermaßen ein Leitfaden für Yoga und ist einer der wichtigsten Quelltexte im Yoga. Es entstand vor ca. 2000 Jahren. Der Verfasser Patanjali war ein indischer Gelehrter und gilt heute noch als der „Vater des Yoga“. Auf Grund ständiger Neuübersetzungen und Anpassung an die aktuelle Lebensumstände bleibt das Yogasutra für den modernen westlichen Menschen nachvollziehbar. Patanjali gilt nicht als Begründer des Yogas, sehr wohl aber als der erste, der Yoga in einem Text als Ganzes systematisch zusammengefasst hat.

Das Yogasutra beschäftigt sich mit den Fragen: „Wie funktioniert der Geist und welchen Einfluss nimmt er auf unseren Alltag? Welche Strukturen beeinflussen uns in unserem Leben und wie gelangen wir zu einer vertieften Wahrnehmung der Realität? Wie kann in unserem Leben mehr Klarheit entstehen?“

Das Yogasutra des Patanjali besteht aus 195 Sutren und teilt sich in 4 Kapitel auf.  

Jedes Kapitel hat einen Schwerpunkt.

  • In Kapitel 1 geht es um samadhi pada, das so viel heißt wie Einung, Versenkung. Hier definiert Patanjali auch, was Yoga ist
  • Kapitel 2 erklärt die Ursache von Leid, Unbewusstheit und ihre Überwindung (sadhana pada)
  • Kapitel 3 ist über die übernatürliche Fähigkeiten (vibhuti pada)
  • Kapitel 4 erörtert die vollkommene Loslösung – die vollkommene Freiheit (kailvalva pada)

Der achtgliedrige Pfad des Yogasutra

Patanjali beschrieb in seinem Werk den achtgliedrigen Yogaweg mit konkreten Techniken und Methoden, um das Ziel der Yogapraxis, die Erkenntnis zu sich selbst, zu erreichen. Der achtgliedrige Pfad ist als ganzheitlicher Übungsweg zu verstehen. Dieser Pfad stellt eine Art Hilfsprogramm zu Überwindung der Hindernisse (Kleshas) dar, welche den Geist immer wieder aus der Ruhe bringen und damit letztendlich zu Leid führen. Jedes dieser acht Glieder besteht aus einer Reihe konkreter, praktischer und auch heute noch sehr lebensnaher Vorgehens- und Verhaltensweisen. Sie bauen aufeinander auf, ergänzen sich und bilden eine Einheit. Diese Auffassung ist bis heute aktuell.

  1. Yamas – der Umgang mit der Umwelt (Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Das Maß aller Dinge finden, Nicht-Horten)
  2. Niyamas – der Umgang mit sich selbst (Reinheit, Zufriedenheit, Selbstdisziplin, Selbsreflexion, Vertrauen)
  3. Asanas – Körperübungen
  4. Pranayama – Atemübungen / Atemkontrolle
  5. Pratyahara – Rückziehen und Beherrschen der Sinne
  6. Dharana – Konzentration
  7. Dhyana – Meditation
  8. Samadhi – das Höchste: die innere Freiheit / Versenkung / Erleuchtung