Wann ist Yoga wirklich Yoga?

 

 Oder auch umgekehrt gefragt, wann ist Yoga kein Yoga mehr? Diese Frage taucht zur Zeit immer wieder mal auf. Kein Wunder, es scheinen gefühlt täglich neue Yoga-Arten aus dem Boden zu schießen. Hat das alles noch mit Yoga zu tun? Hier eine Stellungnahme von mir zum Thema.

Neben all den traditionellen Yoga Arten wie Iyengar Yoga, Hatha Yoga, Kundalini Yoga u.a. gibt es mittlerweile Yin Yoga, Power Yoga, Acro Yoga, Hormon Yoga, Faszien Yoga, Aerial Yoga, Wellness Yoga und weitere. Und innerhalb dieser Stilarten gibt es auch Unterschiede, denn es hängt oft auch vom Yogalehrer ab, wie er die Yogastunde aufbaut und wie er sie gestaltet. Hinter welcher Richtung er steht. Welchen Stil er hat.
Für mich ist Yoga ein Lebenswerkzeug, eine Wissenschaft und eine Philosophie, die es dem Menschen ermöglicht, geistig und körperlich in Einklang zu kommen (mit sich und der Umwelt), glücklich zu werden und zu bleiben. So sind nach dem 8-gliedrigen Pfad nach Patanjali nicht nur die Asanas (Körperübungen) Bestandteil von Yoga, sondern u.a. auch der Umgang mit der Umwelt und mit sich selbst, sowie Atemübungen und Meditation. Yoga ist Bewegung in Meditation, aber auch die Synchronisation von Bewegung und Atmung. Mit Yoga kann man sich (wieder) spüren und zu sich finden, ins Gleichgewicht kommen – körperlich und auf mentaler Ebene.
Wenn man zurückblickt, hat sich Yoga schon immer entwickelt und verändert. Auch schon vor 4000 Jahren. Sonst gäbe es ja nicht so viele traditionellen Yoga Arten. Kritiker äußern sich gerne dazu, dass nun all die neueren und moderneren Yoga Arten nichts mehr oder sehr wenig mit Yoga zu tun hätten. Heißt das, dass nur „alte“ Yoga Arten die Berechtigung haben, Yoga sein zu dürfen? Aber zu ihrer Zeit, waren eben diese „alten“ oder nennen wir sie traditionelle Yoga Arten, eben damals ja ebenfalls modern und neu. Alles ist im Fluss. Yoga auch. Solange mehrere der o.g. Bestandteile in einen Yoga Stil einfließen, ist dieser Stil, wie ich meine, Yoga. Ob dabei Musik läuft (vielleicht auch Hip Hop), ob der Schwerpunkt auf den Asanas liegt und diese kraftvoll und im Flow geübt werden oder ob die Raumtemperatur wie bei Hot Yoga fast schon Saunatemperaturen erreicht, solange die Übungen korrekt ausgeführt werden, der Atem tief und sanft bleibt, die Aufmerksamkeit auf den Atem gerichtet ist und kein Leistungsdruck vorhanden ist, sind auch diese neuen Yoga Arten in meinen Augen Yoga. Auch wenn sie vielleicht einen „modernen“ und cool klingenden Namen haben. Ich ehre und respektiere den traditionellen Yoga, gleichzeitig bin ich der Meinung, Yoga lebt und darf sich weiterhin entwickeln. Im Gegenteil, Bewegung und Veränderung ist Leben. Das gilt auch für Yoga! Yoga bedeutet für mich ein „Nicht anhaften“, offen zu sein für neues und ein „Annehmen“. So auch bei den Yoga-Arten, die neu „geboren“ werden. Ich finde, der heutige Yoga ist ein sehr gutes Beispiel einer wirklich globalen Innovation, in der sich östliche und westliche Praktiken verbinden, um etwas zu schaffen, das in der ganzen Welt viel Beachtung findet und sich einer großen Wertschätzung und Beliebtheit erfreut. Yoga tut den Menschen in dieser lauten, schnellen und leistungsorientierten Zeit sehr gut und es erscheint mir wichtig, dass die Menschen dabei auch Freude haben. Da ist es doch egal, ob ihr Yogakurs mit „Dynamic Funky Croove Yoga“ oder sonst wie betitelt wird. Sicherlich, dahinter steckt natürlich auch ein Markt. Darf es meines Erachtens auch. Daran ist nichts schlechtes, solange Yoga Yoga bleibt! Ein Yoga-Interessierter hat es unter Umständen zwar nicht leicht, sich in dem „Yoga-Dschungel“ zurechtzufinden, doch ich denke, nach etwas Zeit mit Ausprobieren und beobachten, sollte der Yogi bald merken und spüren, ob er im jeweiligen Yoga-Kurs für sich das Richtige gefunden hat oder nicht. Und ob z.B. „Bier Yoga“ wirklich was mit Yoga zu tun hat 😉 – Andreas Lanz